Vor ein paar Wochen habe ich mit meiner Freundin Marianne über Vorsätze und Ziele diskutiert. Es kommt selten vor, dass wir über unsere Arbeit sprechen und eigentlich begann das ganze mit einer Frage von ihr, die anscheinend gar nichts damit zu tun hat:
Marianne: Wie bleibst Du so schlank, in Deinem Alter?
Andrea: Hey, was heißt das denn?
Marianne: Ne, Du weißt schon, ich bin so alt wie Du und kann zusehen, wie meine Hüften wachsen, bei Dir nicht.
Andrea: Stimmt leider nur halb. Es ist für mich auch schwieriger als früher, mein Gewicht zu halten. Ich mache mehr Sport, habe meine Ernährung etwas umgestellt und ein Buch gelesen, dass Entspannung sehr wichtig ist, weil Stress dazu beiträgt, dass man zunimmt.
Marianne: Seufz…Ja, das sollte ich unbedingt auch alles tun! Immer der Stress und der Zeitdruck. Ich kann mich einfach schlecht organisieren!
Andrea: Das “Sollen” und Dein schlechtes Gewissen sind die ersten Hürden auf dem Weg zu Zielen…
Marianne: Wie meinst Du das denn?
Und da waren wir mitten im Gespräch. Marianne erteilte mir einen offiziellen “Coaching-Auftrag” und erhielt gleich die ersten Hausaufgaben: Das Schnellstart Video von Design Your Life anschauen mit der Frage:
Wie kann ich tun, was mich glücklich und zufrieden macht ohne Gefühle des Versagens und der Angst?
Doch was hat es mit dem SOLLEN auf sich?
Das kleine Wörtchen “soll” hat auf die meisten Menschen eine fatale Wirkung. Es geht damit einher, dass wir fast automatisch eine ganze Liste von persönlichen Verfehlungen im Kopf haben. Dinge, die wir tun “sollten” (oder vielleicht sogar wollen), die wir jedoch nicht tun. Schlimm und böse und undiszipliniert.
Genauso ist es mit Angewohnheiten, die wir uns eigentlich abgewöhnen “sollten”, weil wir oder andere glauben, dass sie schädlich für uns sind.
Und wieder rattert die innere Liste und wir bekommen ganz schnell das Gefühl, das wir das alles gar nicht schaffen können. Und Versager sind. Oder Angst haben, wie wir enden, wenn wir nichts ändern. Als kranke Versager, und dick.
Hilfreich ist, sich für einen Augenblick Absolution zu erteilen und sich selbst gnädig anzuschauen, weil jedes Verhalten einen Grund für uns hat. Auch ein anscheinend schlechtes Verhalten erfüllt einen soliden Sinn und Zweck. Das ist weder nur dumm oder ausschließlich träge - es tut etwas für uns. Schnell und unkompliziert.
Nehmen wir Marianne. Sie hat zwei Kinder (12 und 14, Junge und Mädchen) und arbeitet halbtags. Zusätzlich kümmert sie sich um ihre Eltern.
Für sie selbst bleibt wenig Freizeit, obwohl Mann und Kinder im Haushalt kräftig mithelfen.
Nach ihren eigenen Aussagen ist ihr Hauptziel zur Zeit:
Ich will keine Süßigkeiten mehr essen (die Ziele Profis wissen, dass die Formulierung noch überarbeitet werden SOLLTE).
Bei der Frage, was sie fühlt, wenn sie Schokolade isst, muss sie überlegen. Sie stellt sich vor, sie würde jetzt etwas Süßes essen, dann antwortet sie: Ich fühle mich entspannt und irgendwie ruhiger, nein beruhigt.
Da ist es: die einzige Zeit, in der Marianne in ihrer Wahrnehmung ausspannen kann, sind die Augenblicke, in denen sie Süßigkeiten isst. Das ist sinnvoll und clever, weil es Entspannung und Entlastung bietet.
Eine Frage auf dem Weg zu Ihrem Ziel kann für Marianne heißen:
Wie kann ich Entspannung und Ruhe auf andere Weise finden? Was ist es, dass mich genauso gut oder noch besser beruhigt?
Die Schwierigkeit mit Gewohnheiten, die wir uns an- oder abgewöhnen wollen liegt darin, dass unser Verhalten einen Sinn hat. Unser Ich hat seine eigenen Vorstellungen davon, was gut für uns ist und geht manchmal den leichten (und gelernten) Weg.
Wenn wir langfristig etwas verändern wollen und gesetzte Ziele erreichen möchten, ist es wichtig zu verstehen, welche Funktion das alte Verhalten erfüllt.
Wenn Sie dann etwas Neues und vielleicht Besseres finden - also nicht nur einen Ersatz, welches dieses Bedürfnis erfüllt, klappt es leichter mit der Veränderung.
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