Vor einiger Zeit haben wir uns einen langgehegten Reisetraum erfüllt. Wir sind mit dem Jeep durch den östlichen Teil von Südafrika gereist. Ich hatte viele Jahre diesen Traum, doch irgend etwas ist immer dazwischen gekommen oder besser, ich habe es dazwischen kommen lassen. Dann habe ich meine eigenen Techniken angewandt, ein Ziel formuliert und angefangen meinen Traum in die Realität umzusetzen.
Wir haben viel Zeit in die Planung gesteckt, individuell und nach unseren Wünschen und der Urlaub verlief schöner als geahnt. Wir haben uns sofort wohlgefühlt und die Schönheit von Landschaft und Tieren jeden Augenblick genossen. Ich war manchmal so überwältigt, dass ich vor Freude geweint habe. Einige der Fotos auf FluentLife sind aus Südafrika.
Weihnachten wollten wir an einem besonders schönen Ort verbringen. Abgeschnitten von der Außenwelt, erreichbar über eine schmale, 50 km lange Schotterpiste.
Unser Ziel war der Campingplatz Mapelane - direkt am Indischen Ozean und versprach Romantik pur…
In Südafrika campe ich gerne, weil die Plätze fast immer schön, sauber und groß sind. Und wenn es doch einmal regnet, existieren Hütten oder die typischen Rondavels, in denen wir bequem und trocken übernachten konnten.
Kaum angekommen in Mapelane zerplatzte unser Traum von der Idylle.
Der Platz für unser Zelt war klein, eingekeilt zwischen betrunkenen Touristen und voller Müll. Die Camper hatten Freude daran, die Meerkatzen zu füttern. Was spaßig aussieht, ist es nicht - die Tiere wollen immer mehr, plündern Mülltonnen und Zelte und werden irgendwann so aggressiv, dass sie getötet werden müssen.
O.K. dachten wir - erst mal zum Strand und zur ausgeschilderten Lagune. Ich rannte voller Vorfreude los und wurde noch rechtzeitig von Mike zurück gerufen.
Ich hatte ein wichtiges Schild auf dem Weg zur Lagune übersehen: Beware of Hippos and Crocs. (Achtung Nilpferde und Krokodile!)
Also, besser nicht schwimmen gehen… Ins Meer ging leider auch nicht, weil der Wind den Sand schmerzhaft in unsere Gesichter peitschte.
Unser absolutes Traum-Ziel in diesem Urlaub entpuppte sich als Alptraum.
Nachts sprangen Affen schreiend auf unser Zelt, Camper feierten bis drei, reichlich Schlangen, die sanitären Anlagen waren bescheiden usw.
Am nächsten Morgen war der 24.12., ich war vollkommen gerädert und sauer. Wir brauchten für die kommende Nacht eine andere Unterkunft, wild campen war zu gefährlich. Ich hatte keine Ahnung, ob wir Heiligabend in Südafrika zur Hauptreisezeit eine Bleibe finden. Einerseits hatte ich Befürchtungen um unsere Sicherheit, andererseits wollte ich mir mein Traum-Ziel Südafrika nicht von schlechten Erinnerungen verderben lassen. Also hieß es handeln - wie, musste ich mir noch überlegen.
Ich überredete Mike, unsere Sachen zu packen und wir verließen fluchtartig den Platz.
Warum erzähle ich Ihnen diese Geschichte?
Weil dieses Weihnachten mit Abstand das schönste Weihnachtsfest meines Lebens wurde und wir uns oft daran erinnern.
Was war passiert?
Wir fuhren los und ich rief Unterkünfte aus dem Reiseführer an. Nach einigen Telefonaten hatte die Bushlands Game Lodge noch ein Zimmer frei und mit zwei Stunden Fahrt, war sie für afrikanische Verhältnisse schnell zu erreichen.
Wir wurden mit eisgekühltem Litschi Saft begrüßt und liefen auf erhöhten Holzbohlen in unsere Hütte, die ebenfalls auf Holzbohlen stand. Dann ließen wir es uns gut gehen, erst Swimmingpool, Tiere beobachten, dann afrikanisches Dinner.
Wir waren alleine im Restaurant und setzten uns vor den abends beleuchteten Swimmingpool.
Ich hatte noch nie so viele Sterne gesehen, es war wunderbar warm und wir wurden von einer sehr kräftigen afrikanischen Mama verwöhnt, fast so, wie ich mir Mma Ramotswe vortselle.
An diesem Abend haben wir sehr lange darüber philosophiert, wie wichtig es manchmal ist :
- Risiken einzugehen
- Auf sein Bauchgefühl zu hören
- Etwas Neues zu versuchen
- Einfach mal spontan zu sein
- Sichere Pfade zu verlassen
- Ängste hinter sich zu lassen
- Sich nicht so schnell demotivieren zu lassen
- Hartnäckig und clever an seinen Zielen festzuhalten
- Es wenigstens einmal zu probieren…
Wenn wir heute denken, dass etwas besonders toll ist und es sich kurze Zeit später als Katastrophe entpuppt, schauen wir uns an und sagen gleichzeitig “Mapelane”. Dann lachen wir und wissen:
Wir finden neue Ziele, neue Träume und neue Lösungen - sogar, wenn sich das “Paradies” als “Hölle” entpuppt.
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