Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem es normal war, viel und hart zu arbeiten. Dagegen ist natürlich nichts einzuwenden. Problematisch wird es, wenn man die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit nicht mehr beachtet. Ich erinnere mich, ich war noch sehr klein, als meine Mutter wegen Überarbeitung drei Wochen ins Krankenhaus kam. Sie war selbständig, hatte zwei Geschäfte und praktisch rund um die Uhr gearbeitet.
Damals verstand ich noch nicht, was Überarbeitung bedeutet.
Ich kann mich nicht erinnern, ob sie als Firmen-Ziel den Ausbau ihrer Geschäfte hatte oder ob es andere Gründe gab.
Doch eines habe ich als Erwachsene immer wieder festgestellt, ich finde es ebenfalls sehr schwer etwas für mich zu tun oder einfach mal gar nichts zu tun.
Wir alle hetzen von Termin zu Termin, von einer Aufgabe zur nächsten Verpflichtung.
Viele Menschen wollen Ihre Träume leben und haben als oberstes Ziel ausschließlich ihre Karriere gesetzt.
Um das zu erreichen verzichten wir auf Zeit und Muße. Und wenn wir dann doch einmal Zeit haben, wie etwa im Urlaub, dann wissen wir manchmal nicht, was wir mit dieser Zeit anfangen sollen. Und wir setzen uns neue Ziele für die Freizeit. Die Begriffe dafür heißen Urlaubs- und Freizeitstress.
Obwohl ich weiß, dass ich meine inneren Batterien aufladen muss, um wieder leistungsfähig, voll Spaß und Elan zu arbeiten, vernachlässige ich mich selbst manchmal und funktioniere nach To-Do-Listen und Plänen. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen, Zeit für mich zu erübrigen und lustvoll das zu tun, was nicht zweckgebunden ist.
Ich habe viele Frauen und Männer kennen gelernt, die das ebenfalls tun. Die immer “busy” sind und bei denen chronischer Zeitmangel einfach zum guten Ton dazugehört. Manchmal bemerken sie es selbst gar nicht.
Erst, wenn Schwierigkeiten auftauchen wie z.B. in der Familie oder mit der Gesundheit, nehmen sie wahr, dass etwas bei den Zielen fehlte.
Warum tun wir das wider besseren Wissens?
- Ich glaube, weil wir uns schuldig fühlen, wenn wir uns selbst an die erste Stelle setzen und eigene Bedürfnisse wahrnehmen
- weil es wichtig ist, immer mitzuhalten und perfekt zu funktionieren
- weil wir nicht den Eindruck erwecken wollen, dass wir nicht mehr können oder Verlierer sind
- weil wir gelernt haben, dass es egoistisch ist, wenn wir an uns selbst denken.
Eine Freundin von mir hatte als einziges Ziel wöchentlich zum Yoga Kursus zu gehen.
Sie hat 10 mal bezahlt und ist 4 mal hingegangen. Sie hatte Angst, dass sie in dieser Zeit von ihrer Familie gebraucht wird und dem nicht genügend nachkommen kann.
Ich habe den Eindruck, dass gerade Frauen mit der Doppelbelastung von Beruf, Haushalt und Familie sich kaum eine Auszeit zum Aufladen der eigenen Batterien zugestehen.
Geben Sie sich die Erlaubnis, Bedürfnisse wahrzunehmen und zu erfüllen. Täglich mit kleinen Dingen und für das ganze Leben mit Wünschen, Zielen und Träumen.
Wir setzen die Verpflichtung für andere oft höher, als die Verpflichtung für uns selbst. Manchmal tun wir das, weil das Kümmern um andere sehr erfüllend sein kann und ein besonders hohes Ansehen genießt.
Die Verpflichtung für uns zu sorgen ist eine genauso wichtige Verpflichtung, die leider wenig Ansehen in der Außenwelt genießt.
Denken Sie nur an die Sicherheitsanweisungen vor dem Abflug. Es wird darauf hingewiesen, dass man sich bei Gefahr die herunterfallenden Sauerstoffmasken erst selbst anlegen soll und danach Kindern, älteren Menschen und Hilfsbedürftigen zur Seite steht. Das macht Sinn. Denn wenn wir bereits nach Luft ringen würden, könnten wir für Mitmenschen keine wirkliche Hilfe mehr sein.
Stellen Sie sich vor, wie sehr Sie Ihrer Familie, Kollegen und Freunden zur Seite stehen können, wenn Sie voller Energie und Lebenslust, voller Tatendrang und Kraft strotzen.
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